"Karate: Mehr als ein Hobby!"- Interview mit Thorsten Steiner

Interview mit Thorsten Steiner: Deutscher Meister Masterklasse und Heilpraktiker


Thorsten Steiner hat 1990 mit dem Karate-Sport angefangen und gewann seitdem viele nationale und internationale Erfolge. Seine aktuell besten Ergebnisse erreichte er zwar im Kata-Bereich, unter anderem den Deutschen Meistertitel im Kata-Einzel der Masterklasse Ü30 im Jahr 2009, doch bis 1996 war Thorsten sogar Mitglied im Jugend Kumite-Bundeskader.

 

Doch nicht nur als Athlet, sondern als Trainer und Referent, ist der Oberurseler sehr engagiert. Im Karate-Verein Isshin Jyuku Usingen gibt er regelmäßig Trainingseinheiten und leistet zudem wichtige Arbeit für Nachwuchs als Jugendwart Im Hessischen-Karate-Fachverband.

 

Beruflich hat Thorsten, der sich mit einer eigenen Heilpraxis selbstständig gemacht hat, ebenfalls sehr viel mit Menschen zu tun. Seine Haupt-Arbeitsgebiete, Naturheilverfahren und komplementäre Sportmedizin, stehen in engem Zusammenhang mit seinem sportlichen Hintergrund.



CG: Hallo Thorsten, ich freue mich sehr, dass Du Dir die Zeit genommen hast, mir einige Fragen zu beantworten.

Du hattest dieses Jahr einige Wettkampf-Highlights miterlebt, hast zum ersten Mal den Deutschen Meistertitel in der Masterklasse erreichen können und warst beim Shotokan-Europa-Cup mit von der Partie. Was sind Deine sportlichen Ziele für die nächsten Jahre?

 

TS: In einigen Tagen feiere ich meinen 30sten Geburtstag. Nicht das mich das sehr belastet, aber ich plane nicht mehr in Jahren. 

Im kommenden Jahr würde ich gern nochmal den kompletten Turnierkalender mitnehmen und das absolute Highlight wäre nochmal die ESKA. 2010 natürlich ganz besonders, weil es vor heimischen Publikum stattfindet. Ansonsten reizt mich noch die Prüfung zum 3. Dan.

 

CG: Du warst im Jugend- und Junioren-Bereich im Kumite sehr erfolgreich. Ohne mich bewusst daran erinnern zu können, waren wir sogar 1995 zusammen beim Jugend-World-Cup in Miskolc/Ungarn am Start, wo Du einen sehr guten 8.Platz erreichen konntest. Wie hat Dich der Weg vom „Kumite-Crack“ zum vorwiegenden Starter im Kata-Wettbewerb geführt?

 

Kumite hat sich sehr verändert. Zur damaligen Zeit hat man mit dünnen Schützern, und weniger Punkten gekämpfte. Nach einer Phase der „Versportlichung“ war es einfach nicht mehr meins. Nicht das ich die Modernisierung verurteile, oder mich dagegen sträube. Auch finden die neuen Techniken und natürlich auch das Reglement Einzug in das Training, doch hat zu dieser Zeit ein Umdenken bei mir stattgefunden und mir gefiel die schnelle Kata mit dem harten Abschluss und die hohe Anforderung an den Körper plötzlich besser. Ich bin aber froh, den Weg durch die „Kumite-Schule“ gegangen zu sein.

 

Und möchte heute die Fähigkeiten aus dem Training nicht missen. Ich habe bei vielen hervorragenden Kumite-Athleten lernen dürfen. Thomas Schwebe aus Oberursel, der mein erster Trainer war, auf Landesebene Ralf Brachmann, auf Bundesebene Andreas Horn und Günther Mohr.

 

„Ein guter Trainer kombiniert beide Säulen: Kata und Kumite.“

 

CG: Hat Dir für Deine heutige Kata-Laufbahn das Kämpfen Vorteile gebracht? Und ist Kata- Umkehrschluss auch für Kumite-Athleten interessant?

 

TS: Leider kann ich Dir nicht sagen, wie es gelaufen wäre, ohne Kumite… Heute wird sehr früh spezialisiert und die Sportler, sehen die jeweils andere Disziplin bestenfalls als Aufwärmtraining, schlechtesten falls als notwendiges Beiwerk an. Wenn ich ehrlich bin klingt es nicht gut, wenn ein Karateka sich in einer Situation nicht verteidigen könnte. Die Ausrede, dass er nur Kata macht führt das Karate ad absurdum. Für Kumite-Athleten solllte die Kata eine wichtige Säule bedeuten. Der Grundstein ihres Sportes.

 

Rein trainingswissenschaftlich aber, haben beide Disziplinen bis auf wenige Schnittpunkte nichts gemeinsam. So schlimm das klingt und so viele Traditionalisten aufschreien ist es so. Ein guter Trainier kann aber (und muss es auch meistens) im Heimtraining eine gute Kombination für alle herstellen. Geht es aber in die spezifische Vorbereitung, wird er seine Gruppe teilen müssen.

 

 CG: Welche Gedanken hast Du eigentlich, kurz vor dem Start bei einem Wettkampf?

 

TS: Ich gehe die Kata im Kopf durch. Teile sie in Abschnitte und setze die Änderungen um, die mit dem Trainer in den Wochen zuvor beschlossen wurden. Auf diese Weise bekomme ich auch den Puls wieder einigermaßen in den Griff. Ich muss zugeben, dass ich meistens sehr aufgeregt bin. Zumindest vor der ersten Runde, ab dann geht´s.

 

„Karate ist mehr als ein Hobby, es ist ein Teil von mir!“

 

CG: Was magst Du am Karate-Training besonders? Warum streifst Du nach einem langen, anstrengenden Arbeitstag trotzdem gerne den Karate-Gi über?

 

TS: Viele Menschen schreiben, wenn Sie irgendwo zur Angabe Ihrer Hobbies aufgefordert werden, eine ganze Reihe von Aktivitäten. Bei den Karatekas finde ich ist es anders. Wir haben etwas gefunden, dass uns ausfüllt und zwar so, dass ich es fast gar nicht als „Hobby“ bezeichnen möchte. Es gehört zu mir, ist ein Teil von mir. Deshalb stellt sich mir die Frage gar nicht, ob, oder ob nicht. Aber ich muss gestehen, dass ich ihn nach diesen wirklich fiesen Tagen dann doch lieber ab- als überstreife, mental gestärkt unter der heißen Dusche. :-)

 

CG: Wenn wir schon beim Thema Arbeit sind, inwiefern gibt es Parallelen Zwischen der Philosophie vom Karate und Deiner Arbeit als Heilpraktiker. Welchen Einfluss hat das eine auf das andere.

 

TS: Das ist leicht. Ohne Karate hätte ich meinen Beruf gar nicht. Zwei Konstanten in meinem Leben, das eine so wichtig wie das andere und dass ich die beiden wo es nur geht miteinander verknüpfe, ist selbstverständlich.

 

Der Heilpraktiker stellt die Leistungsfähigkeit seines Patienten wieder her, oder fördert sie, oder erhält sie. Der Karateka macht das gleiche. Der Heilpraktiker sieht seinen Patient als ganzes, analysiert ihn, forscht nach der Ursache des Problems und tut sein bestes um es auszuschalten.

Und wieder haben wir die Parallele ins Karatetraining gezogen. Weiterhin können wir Übungen aus dem Training in die Arbeit mit Patienten übernehmen.

 

Sei es zur Verbesserung von Koordination oder Beweglichkeit, oder sogar auf mentaler/energetischer Basis zur Steigerung der Konzentration und Entspannung. Andersherum kommen viele Elemente der Naturheilkunde dem Sportler zu Gute. Bereits mehrere Kampfsportler haben mich mit ihren Problemen aufgesucht, die meist eine Schmerztherapie nötig machten. Ein Glücksgriff für mich war die Ausbildung in der Anwendung von Kinesiotape. Man kennt die bunten Klebestreifen meistens von Hand- und/oder Volleyballern. Karatekas sind sehr dankbar für diese Form der schnellen Hilfe und die Bänder gibt es passend zum Gi sogar in weiß. :-)

 

Auch Sportwissenschaftlich kommt mir mein Beruf zu Gute. So habe ich z. B. die Möglichkeit Sportartspezifische Laktatmessungen durchzuführen und anhand der Auswertung Tipps und Pläne zur Trainingsoptimierung zu geben und zu gestalten.

 

„Sportler achten besser auf ihren Körper!!“

 

CG: Karate wird ja als Gesundheitssport eingeordnet und hat das Zertifikat „Sport Pro Gesundheit“. Was sind aus Deiner Sicht und Deinem beruflichen Tätigkeit als Heilpraktiker die wichtigsten Argumente für diese Einstufung?

 

TS: Karate fordert und fördert alle Funktionen unseres Körpers von der mentalen bis zur physischen Ebene. Hier sei zunächst das Herz-Kreislauf-System zu nennen. Es verstärkt die Sauerstoffaufnahme, lässt das Herz ökonomischer Arbeiten und beugt so vielen Krankheiten vor. Der Stoffwechsel wird aktiviert, was Krankheiten wie Adipositas aber auch Diabetes vorbeugt oder entgegenwirkt.

 

Die Muskulatur wird beansprucht, was die allgemeine Leistung steigert, Jung hält und so dem Muskelschwund, Osteoporose etc. entgegenwirkt. Man darf aber den Nutzen für das Gehirn nicht unterschätzen. Die komplexen Bewegungen des Karate steigern Konzentration und Aufnahmefähigkeit, beugen so Demenz vor, Kindern fällt das Lernen leichter. Der soziale Kontakt steigert Empathiefähigkeit und vieles mehr.

 

Desweiteren achten Sportler auch besser auf ihren Körper. Wer gerade vom Training nach Hause kommt, wird sich gut überlegen, ob er die Chipstüte wirklich auf einmal verdrücken will, oder die Zigarette wirklich rauchen….

Das schöne ist, dass man Karate an jede Gruppe in jedem Alter und jeden Leistungsstand anpassen kann. Von der Kindergruppe, wo das spielerische lernen im Vordergrund steht, über die Leistungsgruppe, die auf den nächsten Wettkampf vorbereitet werden muss, bis zur Erwachsenen Breitensportgruppe, für die die o. g. Pluspunkte am wichtigsten sind. Selbst Herzsportgruppen können mit Karatetechniken üben und Leistungssportler wird man immer an ihre Grenzen bringen. Extreme in beide Richtungen, mit einer Sportart.

 

CG: Hast Du ein bestimmtes Lebensmotto oder einen Wahlspruch?

 

TS: „Wer glaubt etwas zu sein, hat aufgehört etwas zu werden.“

 

CG: Vielen Dank für das interessante Interview und alles Gute für die Zukunft.


Website der Heilpraxis von Thorsten Steiner: HIER!!!


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